Startseite  >  Tarife
Die verschiedenen Tarifmodelle bei Standleitungen
Das Flatrate Tarifmodell

Warum noch nachdenken, wenn es doch einen praktischen Flatrate-Tarif gibt, der alles abdeckt und den Kunden somit von sämtlichen Sorgen befreit? Die Frage scheint berechtigt, doch bei näherem Hinsehen klärt es sich schnell auf, daß Flatrate als Angebot, egal ob in der Telefkommunikation mit Sprach- oder Datentransfers ist oder beim Mittagessen am Buffet, im Regelfall zu Lasten des Nutzers geht. Denn das Risiko, von Vielnutzern die Haare vom Kopf gefressen zu bekommen, muß der Anbieter bei einem Flatrate-Tarif natürlich einkalkulieren. Auf die Menge an Kunden rechnet sich das Modell für den Anbieter zwar, doch auch nur, weil hier die Wenignutzer die Vielverbraucher querfinanzieren müssen. Sollten Sie als Kunde also lediglich einen begrenzten Datenverbrauch haben, der mittelfristig stabil ist oder zumindest nicht sprunghaft ansteigt und diesen vorab auch gut ermitteln können, so macht es durchaus Sinn, sich den Tarif auf Ihren Verbrauch hin maßschneidern zu lassen. Andererseits gibt es abseits der ausgesprochen attraktiven Flatrate-Preisangebote kaum noch etwas vergleichbares, solange der Kunde sich innerhalb der üblichen Standardprodukte bewegt.

Der Volumentarif

Aufgrund der Tatsache, daß eine Datenanbindung aus den beiden Komponenten Bereitstellung und Verbrauch besteht und sich die Bereitstellung über den monatlichen Fixbetrag im Regelfall bequem abrechnen läßt, bleibt als Kostenblock das tatsächlich verbrauchte Transfer-Volumen übrig. Dieses läßt sich am Einfachsten durch eine monatliche Rechnung in der Höhe der verbrauchten Einheiten * Preis pro Einheit niederschreiben. Die Einheit im Bereich der Internetanbindung ist üblicherweise das Megabyte oder Gigabyte (also die Million oder die Milliarde an Zeichen), kurz MB oder GB. Je angefangener Einheit, also ab dem ersten Byte des neuen Gigabyte, wird abgerechnet. 10 GB in einem Monat könnten beispielsweise je 1,50 Euro kosten. Zusammen also 15 Euro. Beim Volumentarif ist die Rechnungshöhe für den Kunden nicht vorhersehbar, es sei denn, er überwacht den Datentransfer während der Nutzung. Eigentlich eine sehr korrekte Form der Abrechnung, da nur der tatsächliche Verbrauch in Rechnung gestellt wird. Andererseits ist der Volumentarif auch mit Risiken verbunden, da eine plötzliche exzessive Nutzung zu einem ungebremst hohen Rechnungsbetrag führen kann, der zumeist erst mit einer Verzögerung von ein bis 3 Monaten beim Kunden in Form einer Rechnung auf dem Tisch liegt. Falsch eingeschätzte Verbräuche, starkes Wachstum oder auch ein Hackerangriff oder eine Störung der Router-Hardware können zu immensen Volumensteigerungen und damit zu Kostenexplosionen führen, die existenzbedrohende Ausmaße annehmen können. Ein reiner Volumentarif ist aus diesem Grund immer nur mit vorabprüfung aller Randfaktoren empfehlenswert, da das finanzielle Risiko vollständig auf Seiten des Kunden verbleibt.

Volumen mit Deckelung

Attraktiv, da mit einem Sicherheitsfallschirm versehen, ist eine Deckelung eines Volumentarifs. Dies kann zum einen in der Form geschehen, daß der Traffic oberhalb einer gewissen vorher bekannten Grenze pauschal abgerechnet wird und nicht mehr je einzelner Einheit. Ebenfalls möglich ist eine Drosselung oder gar Sperrung eines Anschlusses, wenn ein gewisses Volumen im jeweiligen Monat erreicht wird. Beides führt zu einem deutlich erhöhten Maß an Sicherheit für den Kunden, kann aber Auswirkungen auf den Betrieb der Datenanbindung haben - bis hin zum Ausfall der Anbindung, wenn die Leitung nach Erreichen des maximalen Volumens gedrosselt oder abgeschaltet wird. Eine wirkliche professionell einsetzbare Alternative zu einem Burstable-Tarif bietet das Volumen mit Deckelung seinem Nutzer also nicht unbedingt.

Inkludiertes Volumen

Hierbei handelt es sich nicht wirklich um ein Tarifmodell sondern eher um ein Angebot des Providers, daß eine gewisse Grundmenge an Datenvolumen pro Monat mit dem Grundpreis bereits abgegolten ist. So können beispielsweise 10 GByte pro Monat frei verfügbar sein, da der Anbieter diesen Traffic schon in den Monatspreis eingerechnet hat. Keinerlei Einfluß hat dieses Angebot allerdings auf den tatsächlichen Verbrauch und auf die Kosten, die dem Unternehmen bei seiner Nutzung am Ende des jeweiligen Abrechnungszeitraums entstehen. Hier kann eines der oben beschriebenen Tarifmodelle zum Einsatz kommen.

Der Burstable Tarif

Sicherlich gehört der Burstable-Tarif zu den spezielleren Angeboten bei Internetanbindungen per Standleitung. Dennoch gibt es nicht wenige Einsatzzwecke, für die er in idealer Weise geeignet ist. Und nicht vergessen sollte man, daß aufgrund der bislang geringen Bekanntheit des Tarifs viele Unternehmen ihn noch gar nicht zur Kenntnis genommen haben und somit auch dessen Praktikabilität noch nicht im konkreten Fall überprüfen konnten.

Üblicherweise zeigt sich beim Einsatz einer Standleitung als Unternehmensanbindung an das Internet ein relativ ausgewogenes Nutzerverhalten. Morgens, wenn der Arbeitstag beginnt, steigt der Bandbreitenbedarf rasch auf einen typischen Wert an, der bis in die frühen Abendstunden hinein gehalten wird. An Wochenenden und während der Feiertage bleibt die Last entsprechend niedrig. Sind diese Werte einmal ermittelt, kann sogar, das Unternehmenswachstum sowie die Einführung neuer ressourcenbeanspruchender Anwendungen mit einkalkuliert, ein Anforderungsprofil für die kommenden Monate und Jahre ermittelt werden.>

Neben den relativ statischen Teilnehmern im Netz (es können Menschen, aber auch Dienste auf Software-Basis sein) gibt es sowohl intervallartig als auch einmalig und sogar spontan auftretende. Ein gutes Beispiel für ein regelmäßig wiederkehrendes Ereignis, welches eine große Menge an Bandbreite für sich beansprucht, wäre ein nächtliches Backup, das über das Datennetz an eine externe Stelle (z.B.ein Rechenzentrum) transferiert wird. Auch diese Ereignisse sind teilweise noch kalkulierbar - nicht ohne Grund finden sie zumeist an Zeiten statt, wo der normale Betrieb lediglich reduzierte Ansprüche an die Kapazitäten von IT und Netzwerk stellt.

Doch ein besonderes Merkmal der EDV ist ihr großes Wachstumspotenzial bevor Grenzen erreicht sind, und das rasche Beseitigen dieses Nadelöhrs (z.B. Integration von zusätzlichem Speicherplatz) und das erneute Wachstum.

Die Standleitung ist ein Element, das sich nicht ohne weiteres und schon gar nicht spontan in seiner Leistungsfähigkeit erweitern läßt. Die Leitung basiert auf einem Kupfer- oder Glasfasermedium mit bestimmten Eigenschaften und Grenzwerten und die Anbindung an den Provider ist ebenfalls definiert, so daß ein Ausbau Wochen und Monate in Anspruch nehmen kann. Aus diesem Grund ist die Planung einer Standortanbindung mit einer sogenannten Standardfestverbindung (SFV) langfristig zu betrachten und muß ausreichende Leistungsreserven beinhalten. Gleichermaßen ist die Auswahl eines ausreichend dimensionierten Router günstig. Damit wäre man beim Kern des Problems, denn einerseits möchte ein Unternehmen keine Leistungen einkaufen, die nicht auch genutzt werden, zum anderen würde eine Beschränkung einer Standleitungskapazität einen massiven Engpaß im Unternehmensablauf bis hin zu wirtschaftlichen Schäden bedeuten. Ein gutes Stück zur Lösung beitragen kann das Burstable Modell, bei dem der Kunde eine überdurchschnittliche Leistungsreserve erhält, die er zum einen Fallweise in Anspruch nehmen kann (die Peaks oder Leistungsspitzen, die er durch den Burstable-Tarif hat). Zum anderen hat der Kunde aber auch die Möglichkeit, auf der grundsätzlich ja bereits vorhandenen hochperformanten Datenanbindung nachträglich eine höhere reguläre Bandbreite zu nutzen, ohne daß der Provider physikalische Baumaßnahmen durchführen muß. Gerade für Unternehmen in dynamischen Branchen oder solche, die technischen Innovationen unterworfen sind, bietet sich Burstable damit als ein ideales Werkzeug zur langfristigen Netzwerk-Planung.

Von was redet man überhaupt, wenn man von Tarifmodellen spricht? Thematisch handelt es sich um die Betrachtung und Abrechnung von in Anspruch genommenem Volumeneinheiten. Und da wir uns auf dieser Website mit Datenleitungen (z.B. DSL-Dienste oder Standleitungen zur Unternehmensanbindung) beschäftigen, sind die anfallenden und genutzten Inhalte der Leitung Daten, oder auch Bits und Bytes.

Wäre es ein Mobilfunktarif, so könnten es Sprachminuten sein, bei einer Wasserleitung die Litermenge an Trinkwasser. Hierzu lohnt ein Blick hinter die Kulissen, um zu verstehen, daß die anfallenden Kosten einer Datenleitung sich aus den beiden Komponenten "Bereitstellung der Leitung" und "Transportiertes Datenvolumen" zusammensetzen. Gemeinsam bilden sie die Kosten des Anbieters und damit den Preis, den der Kunde hierfür zu zahlen hat. Im Gegensatz zum monatlichen Bereitstellungsentgelt, das üblicherweise fixiert ist und im vornherein feststeht, ist das übertragene Datenvolumen völlig willkührlich und abhängig vom Verhalten des Benutzers. Eine aus Kundensicht wünschenswerte Vorabkalkulation ist darum nicht möglich (Flatrates versuchen dies zu umgehen, indem sie für sämtliche Benutzer einen gemeinsamen Mittelwert abrechnen.

Anhand der Übersetzung des englischen Begriffes to burst (ausbrechen) läßt sich schon unschwer erahnen, um was es bei dieses Abrechnungsvariante geht. Während andere Tarifmodelle recht starr sind, zeichnet sich der Burstabletarif genau dadurch aus, daß er dem Benutzer ein zeitweises Überschreiten der eigentlich vereinbarten Limitierung erlaubt, also den Ausbruch. Solange diese übermäßige Nutzung, Fachleute sprechen auch von Lastspitzen, sich innerhalb eines begrenzten Zeitraums abspielen, werden sie vom Burstablemodell mit abgedeckt. Der Benutzer hat damit also im praktischen Betrieb eine höhere Nutzungsqualität als er regulär haben dürfte. Ein ausgesprochen faires und attraktives Tarifmodell.

Welcher Provider kann mir einen Burstable-Tarif anbieten? Da ein Produkt mit Burstable-Abrechnung ein komplexes Gebilde ist und darüber sehr kundenfreundlich, bieten die meisten Internetserviceprovider dieses erst gar nicht an. Hier erfordert jede Datenanbindung eines einzelnen Kunde eine separate Betrachtung mit einem darauf zugeschnittenen individuellen Angebot. Für Massenanbieter und Provider mit dem Fokus auf dem Privatkundengeschäft wäre eine solch intensive Beschäftigung mit ihren Kunden schlichtweg überfordernd und unmöglich. Anders stellt sich die Situation bei den ausschließlich im Geschäftskundensegment tätigen Business Providern dar, die aus diesem Grund über das Know How und die Serviceintensität verfügen, Unternehmen mit ihren Standorten und ihrer Gesamtstrategie als isolierte Projekte betrachten zu können und entsprechend flexibel zu handhaben.

Was ist der Unterschied zwischen Traffic und Bandbreite? Sobald man sich von der üblichen Betrachtungsweise eines Volumen- oder auch Flatratetarifs löst, wird man nicht mehr lediglich die auf den Monat bezogenen Gigabyte an Datentransfer in die Kalkulation mit einbeziehen sondern ebenfalls die vom Kunden in Anspruch genommene Bandbreite. Was bedeutet dies? Ein Unternehmen kann als Anbindung an seinen Standort beispielsweise eine Standleitung mit 10 Mbit/s von einem Provider zur Verfügung gestellt bekommen. Natürlich wird das Unternehmen nicht die gesamte nutzbare Bandbreite von 10Mbit/s durchgängig auslasten, sondern normalerweise nur einen Bruchteil davon. Man kann zum Beispiel mit einem Durchschnittsbedarfs von 2Mbit/s kalkulieren und hat somit eine Auslastung von 20%, was schon recht intensiv wäre. Zu bestimmten Zeiten steigen die Anforderungen aufgrund erhöhter gleichzeitiger Zugriffe, etwa während der Geschäftszeiten oder im Rahmen eines über die Leitung abgewickelten Backups. Andererseits gibt es Zeiten, zu denen die Anbindung praktisch ungenutzt bleibt, etwa nachts oder an Wochenenden. Kurz gesagt kann der Traffic, den ein Kunde verbraucht, gleichmäßig während der gesamten Abrechnungszeit durch die Anbindung fließen oder stoßweise innerhalb bestimmter Zeiten. Die Menge an verbrauchtem Traffic sagt hierüber nichts aus. Die Bandbreite bezeichnet quasi den Durchmesser einer Datenanbindung, zeigt also an, wieviele Byte pro Sekunde hindurchfließen können. Darum auch die Einheit Megabit pro Sekunde. Je höher die Bandbreite, um so mehr Bit (die Untermenge von Bytes) pro Sekunde hindurchtransportiert werden können.

Die 95% Regel: Eine praktikable und aus diesem Grund auch gerne angewandte Möglichkeit zur Umsetzung eines Burstable-Tarifs beim Kunden ist die sogenannte 95% Regelung. Hierbei wird zugrunde gelegt, daß der Kunde während 95 Prozent seiner Nutzungszeit das vorab definierte Maximum der Datennutzung nicht überschreitet, also nur eine bestimmte Bandbreite in Anspruch nimmt. Dies könnte zum Beispiel 5Mbit/s sein. Lediglich in wenigen Ausnahmefällen kann es geschehen, daß diese 5 Mbit pro Sekunde überschritten werden, um dem plötzlich anfallenden Trafficvolumen gerecht zu werden. Der Provider könnte dem Kunden eine 10Mbit/s Standleitung zur Verfügung gestellt haben mit der Auflage, daß der Kunde lediglich 5Mbits in 95 Prozent der Zeit nutzt. Dies wäre eine 95%-Regel. Für den Kunden ergibt sich der Vorteil, daß ein bei Bedarf höhere Bandbreite zur Verfügung steht, die auch tatsächlich genutzt werden darf, daß aber dennoch lediglich ein vergleichsweise günstiger Preis für die Anbindung fällig wird.


Quick Links:
Kontakt
Impressum